Mach das Maul auf! Das bist Du auch deinen Kollegen schuldig!

Ich muss etwas loswerden…

Regelmäßig begegne ich Künstlern und kreativen Unternehmern die unglücklich sind mit ihren Auftraggebern. Meistens geht es um Geld. Die Bezahlung ist oft schlecht. Und die gestellten Erwartungen sind oft hoch.

Musikschullehrer sollen in ihrer Freizeit Schülerkonzerte organisieren. Ein Auftragsentwurf muss plötzlich viel mehr Kriterien gerecht werden, als im Vorfeld angegeben. Für ein Theaterstück sind letztendlich deutlich mehr Proben nötig als vorher angesetzt.

Tarife im kreativen Sektor sind traditionell niedrig. Wenn dann noch extra Stunden anfallen, die nicht bezahlt werden, bleibt bitter wenig übrig. Ein häufiger Grund zum Ärgernis und ebenso häufig Gesprächsthema bei Zusammenkünften. Trotzdem sprechen nur Wenige dieses Thema bei den Personen an, die hier etwas ändern können: Den Auftraggebern selbst nämlich. Es bleibt ihnen keine Wahl, denken viele. Keiner will derjenige sein, der wegen des Geldes meckert.

Ich komme selbst regelmäßig in Situationen, in denen der Auftraggeber mehr von mir erwartet, als eigentlich vereinbart war, wenngleich meist unverhofft. Allerdings habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, das direkt anzusprechen.

Als beginnender Unternehmer musste ich erstmal eine Hemmschwelle überwinden um mir dies anzugewöhnen. „Ich will nicht die sein, die immer wegen dem Geld jammert“, dachte ich mir. Bis mir klar wurde – es ist eigentlich genau andersrum. Indem der Auftraggeber mehr verlangt als vereinbart ist ER eigentlich derjenige, der das Thema zur Sprache bringt.

Und was mir vor allem aufgefallen ist: Wir nehmen a priori an, dass der Auftraggeber nicht bereit ist den Mehraufwand zu bezahlen. Aber ist das auch wirklich so? Mir fallen zahllose Beispiele ein, die das wiederlegen. Hier einfach mal wahllos ein Griff aus den letzten Wochen:

  • Ein alter Kunde zahlte seit 5 Jahren den selben Tarif. Als ich das zur Sprache brachte, war problemlos eine angemessene Erhöhung möglich.
  • Durch einen Organisationsfehler der Hochschule fand eine Vorlesung nicht statt. Ich stand alleine im Hörsaal und konnte wieder nach hause fahren. Als ich angab, ich wolle beide, die ausgefallene und die neu geplante Vorlesung in Rechnung bringen, war das kein Problem.
  • Eine Auftragsarbeit dauerte anderthalbmal solang wie vom Auftraggeber geschätzt. Ich wies darauf hin und konnte alle tatsächlich benötigten Stunden abrechnen.

All diese Situationen haben eines gemein: Ich musste das Kind selber beim Namen nennen. Hätte ich meine Auftraggeber nicht darauf hingewiesen (sondern mich nur bei meinen Kollegen beklagt), dann hätte ich nichts erreicht.

Natürlich wäre es toll, wenn der Kunde selbst darauf käme, aber so ist es nun einmal meistens nicht. Du musst dich eben selber darum kümmern. Das ist nicht egoistisch. Das ist ganz normal.

Und solltest Du dich doch damit schwertun, denk daran: Du tust das nicht nur für dich alleine. Indem Du dich einsetzt für was dir recht und billig erscheint, stärkst Du auch den Kollegen den Rücken und zeigst, dass es ganz normal ist, sich für Fairness einzusetzen.

Hast Du vergleichbare Situationen erlebt, in denen der Auftraggeber letztendlich bereit war, den extra Einsatz zu honorieren – oder eben doch nicht? Es wäre toll, wenn Du uns deine Erfahrungen mitteilst, hier auf meiner Webseite.

One thought on “Mach das Maul auf! Das bist Du auch deinen Kollegen schuldig!

  1. Michelle - Geplaatst op

    Hallo! Ja, ich finde es unheimlich wichtig, bei dem Thema „was ist im Preis inklusive“ und „wieviel kostet der Mehraufwand, die zusätzliche Aufgabe“ sehr klar zu sein. Ich kommuniziere in Angeboten eindeutig, was genau der Leistungsumfang ist und mache transparent wieviel genau das individuell angefragte „Mehr“ dann kostet.
    Das fiel mir zu Beginn schwer, ich hatte auch den Gedanken, dass Interessenten grundsätzlich ja nicht mehr zahlen wollen als unbedingt nötig; aber ohne diese Einfordern meines (Arbeits-)Wertes kam ich weder gefühlt noch finanziell tatsächlich in den grünen Bereich.

    Reply

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Maaike van Steenis

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